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Fair sein und fair handeln

[26.01.2014 | Bericht zum Projekttag]

Fair sein

 

„Fair sein" und „fair handeln" ist heutzutage in aller Munde. Doch was bedeuten diese Worte eigentlich genau? Warum werden sie so häufig im Zusammenhang mit sozialem Zusammenleben, Integration, heterogenen Gruppen usw. nicht nur in der Schule verwendet?

 Um den Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, diese Worte zu reflektieren und im Kontext globaler Verantwortung zu verstehen, fand an der Carlo-Schmid-Oberschule am 12.12.2013 in Zusammenarbeit mit dem "EPIZ e.V. - Entwicklungspolitisches Bildungs- und Informationszentrum" ein Projekt zu dem Thema „Fair sein und fair handeln" statt, an dem Klassensprecherinnen und Klassensprecher aus den Klassen 7 – 10 teilgenommen haben.

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 Ziel des Projektes war es, gemeinsam eine Arbeitsgrundlage zu erarbeiten, mit deren Hilfe komplexe Zusammenhänge der globalen Fairness erschlossen werden können.
Dabei gingen wir zuerst einmal von uns selbst aus:

 • Was heißt fair für mich?
• Wie gestalte ich ein faires soziales Miteinander?

Einstiegstext:

 Tortenspiel – Unterschiedliche Verständnisse von Fairness

Sabrina hat Geburtstag und bringt einen Kuchen in die Schule. Sie teilt den Kuchen so, dass alle in der Klasse ein Stück abbekommen, am Ende jedoch ein Stück Kuchen übrig bleibt. Die Lehrerin sagt, dass Sabrina das Stück bekommen solle, da sie heute Geburtstag habe. Daraufhin beschwert sich Mustafa bei Sabrina, dass ihm das Stück zustehe. Sie habe ihm am Tag zuvor zwei Stück Kuchen versprochen, weil er ihr von seinem Schokoriegel etwas abgegeben hatte. Doch dann sagt Gunnar, dass er das letzte Stück Kuchen essen wolle, weil er noch nicht gefrühstückt habe und großen Hunger habe. Manuel sagt, er solle das Stück bekommen, weil er Klassensprecher sei und das im letzten Jahr so toll gemacht habe. Nicole ist der Meinung, dass es gerecht sei, wenn alle noch ein kleines Stückchen bekämen."                                       (Beispieltext, EPIZ e.V. - Entwicklungspolitisches Bildungs- und Informationszentrum)

B1

Im Anschluss wurden folgende Kategorien erarbeitet:

Leistungsgerechtigkeit: (im Bsp. Manuel)
Sie bedeutet, dass jede Person für eine Leistung, die sie erbracht hat, eine angemessene Entschädigung erhält. Mit anderen Worten: Wer mehr leistet, soll auch mehr Lohn erhalten. Bewertungsgrundlage dafür, ob eine Person mehr oder weniger erhält, ist der Markt. Dieser gibt (wenn er nicht eingeschränkt wird) durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage die Knappheit der unterschiedlichen Leistungen wieder. Wie im Wirtschaftsleben gibt es aber auch hier Leistungs-Monopole (z.B. ein Film- oder Fußballstar), die der Markt sehr hoch bewertet, andere dagegen gar nicht (etwa Straßenmusikant/innen).

Bedürfnisgerechtigkeit: (im Bsp. Gunnar)
Bedürfnisgerechtigkeit steht im Gegensatz zur Leistungsgerechtigkeit. Sie verlangt, den Bedarf eines Menschen (sein Existenzminimum, ein Leben in Würde) an bestimmten Gütern zu berücksichtigen. Schließlich sollen auch Alte, Kinder oder Behinderte ein Recht auf Leben haben, selbst wenn sie nicht dieselbe Leistung wie andere erbringen können.

Verteilungsgerechtigkeit: (im Bsp. Nicole)
Wenn in der öffentlichen Debatte von sozialer Gerechtigkeit die Rede ist, ist in der Regel die Verteilungsgerechtigkeit gemeint. Sie soll für eine Verteilung der Güter (der Einkommen, der Vermögen) unter maßvoller Berücksichtigung von Leistung und Bedarf mit dem Ziel des sozialen Ausgleichs sorgen. Welche Verteilung als gerecht oder ungerecht betrachtet wird, ist dabei Ergebnis eines politischen Prozesses und hängt von der Art eines Gutes ab.

Chancengerechtigkeit: (im Bsp. Nicole)
Chancengerechtigkeit verfolgt den Abbau von rechtlichen und sozialen Diskriminierungen, um z. B. das Recht auf Arbeit, Bildung, Teilhabe am kulturellen Leben und Fortschritt oder gerechte Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Besitzstandsgerechtigkeit: (im Bsp. Mustafa, Sabrina)
Diese Form von Gerechtigkeit geht davon aus, dass erworbene oder erarbeitete Ansprüche, Besitztümer, Titel etc. nicht wieder weggenommen werden dürfen.

 

F1

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde der erarbeitete Begriff der „Fairness" zu dem Thema "Computer- / Handyproduktion" und deren Handlungsoptionen global mit der Problematik des Welthandels, der Rohstoffnutzung, der Verletzung von Arbeitnehmerrechten usw. verknüpft.

Zum Schluss wurde noch über mögliche Handlungsoptionen (persönlich, Schulgemeinschaft) diskutiert und Optionen dafür schriftlich festgehalten. Über diese Projektveranstaltung hinaus haben die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in ihren jeweiligen Klassen über dieses Projekt berichtet und sich über zukünftige Handlungsoptionen verständigt bzw. ausgetauscht.

 

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